Markt und Mittelstand
(German trade magazine)

January 2005

Author: Frank Baecke-Heger
 

  Zukunftstechnologien
Ein Werktag im Jahr 2015

 

Technologische Durchbrüche lösen in den kommenden zehn Jahren eine Fülle von Innovationen aus. Sie revolutionieren Produktionsprozesse, schaffen nahtlos vernetzte Kommunikationssysteme und steuern auf intelligente Weise wachsende Verkehrsströme. VON FRANK BAECKE‑HEGER

Januar 2015. Hans‑Peter Offenberg muß bald ins Büro. Läuft alles glatt, kann der Geschäftsführer der Xeraton GmbH im sächsischen Auerbach heute auf einen lukrativen Auftrag anstoßen. Die virtuellen Verhandlungen mit dem japanischen Kunden laufen zwar noch. Aber in Kürze dürften sich die Software‑Agenten von Xeraton, den Zulieferern und dem Kunden über alle Details geeinigt haben. Während in den Datenleitungen noch hektische Betriebsamkeit herrscht, trinkt Offenberg gemütlich seinen Frühstückskaffee. Er ist zuversichtlich, daß er den Zuschlag erhält. Mit seinen hochflexiblen und schnell umrüstbaren Maschinen hat er schon so manchen Wettbewerber aus Osteuropa und Asien aus dem Feld geschlagen.

Nun scrollt Offenberg am heimischen PC durch seine geschäftlichen E‑Mails. Eigentlich wollte er alle Neueingänge vor der Fahrt ins Büro gelesen haben. Doch an diesem Morgen sind es einfach zuviele. Acht Uhr, er muß los. "Na schön“, sagt der Firmenlenker, "dann erledige ich den Rest im Auto." Noch vor wenigen Jahren wäre er jetzt gestreßt zur Arbeit gefahren, um Zeit für die unerledigte Post herauszuschinden. Doch heutzutage, im Jahr 2015, lehnt er sich bequem in seinen Autositz und fährt gelassen auf die Autobahn. Alle seine persönlichen Kommunikationsdienste begleiten ihn. Die E‑Mails sind dank einer DVB‑Verbindung auch auf seinem Terminal im Auto verfügbar, wo sie ihm von einem Handheldgerät vorgelesen werden. DVB (Digital Video Broadcasting), ein Übertragungsstandard für digitale Inhalte, läutete 2004 die Ära des Digitalfernsehens ein. In Offenbergs Fall sorgt das Verfahren dafür, daß die zu Hause empfangenen Internetdienste wie E‑Mail oder digitales Video nahtlos ins Auto übertragen werden.

Szenarien wie diese hält Riccardo Pascotto im kommenden Jahrzehnt für realistisch. Der Netzwerkspezialist der Deutschen Telekom AG in Berlin leitet als Projekt‑Koordinator das EU‑Forschungsprojekt Daidalos. Ziel ist es, mobile Kommunikation über unterschiedliche Netze und Technologien hinweg zu ermöglichen. 46 Forschungsinstitute und Unternehmen aus ganz Europa arbeiten an dieser offenen Netzarchitektur. Laptops, Handys und PDAs entscheiden darin künftig selbst, ob sie UMTS, WLAN, GSM oder Bluetooth zur Übertragung eines gewünschten Dienstes wählen. Nutzer wechseln zwischen Festnetz, Mobilfunk, Internet und Verbindungstechnologien hin und her, ohne es zu merken. "Unsere Vision ist, die unterschiedlichen Netztechniken nahtlos zu integrieren', sagt Pascotto. "Die Interaktion zwischen Menschen, Kommunikationsgeräten, Autos und Infrastrukturen wird natürlich und intuitiv werden."

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